Wo der Name her kommt, ist schnell geklärt. Denn hinter Doracor verbirgt sich der italienische Keyboarder Corrado Sardella. Ordne ich die Silben des Vornamens in umgekehrter Reihenfolge an – voilá. Transizione ist bereits sein viertes Album, und man kann ihm zumindest schon mal attestieren, dass er sich von Album zu Album kontinuierlich verbessert hat. Anfangs noch gänzlich im Alleingang eingespielt, wird er mittlerweile von diversen Gastmusikern unterstützt.Was aber immer noch fehlt, ist ein leibhaftiger Schlagzeuger. Corrado sorgt nach wie vor selbst für den Rhythmus, und das ist fast immer schon von vorneherein ein Manko. Wenn er sich schon eine umfangreiche Schar an Gastmusikern leisten kann, warum dann nicht auch noch einen Schlagzeuger?
Es wird sicherlich niemanden überraschen, dass Sardella mit seinen Keyboards die Grundausrichtung dieses symphonischen Albums vorgibt. Im Wesentlichen geht es recht melodiös zur Sache. Die Gastmusiker erhalten reichhaltig Gelegenheit, sich einzubringen. So wird ein Grundthema des eröffnenden longtracks „cavaliere del destino“, der in 11 Untertitel aufgeteilt ist, von einer mächtigen, vitalen E-Gitarre aufgenommen, die ganz offensichtlich aus der Heavy-Ecke entstammt. Geige und Flöte sorgen für Abwechslung und unterstützen die klassische Ausrichtung, allerdings gelingt das Zusammensetzen der unterschiedlichen Parts nicht immer optimal, so dass der Fluss des Songs zum Teil recht empfindlich gestört ist. Ausserdem ist der Opener für meinen Geschmack ein bisschen zu lang geraten. Sänger Massima Farina weiß mit kräftiger Stimme zu überzeugen, wenn auch manche Parts etwas überzogen schmetternd oder schmachtend klingen. Ähnliches gilt für Sängerin Luisa Ladu. Im Gegensatz zu den ersten Alben klingt transizione wesentlich ausgereifter und mehr nach Bandarbeit als nach Solowerk, wenngleich auch noch – wie erwähnt – Verbesserungsbedarf besteht. Für diejenigen, die keyboardbetonten symphonischen Italo-Prog mögen, macht das Antesten von transizione durchaus Sinn. Und ich denke – angesichts des bisherigen Verlaufes – dass das nächste Album Doracor noch einen weiteren Schritt nach vorn bringen wird.

Jürgen Meurer