In der nach oben und unten offenen Wakeman-Skala sind reine Keyboardalben immer mit einer gewissen Vorsicht zu beurteilen. Diesmal verbirgt sich hinter dem Projektnamen Doracor der Tastenmann Corrado Sardella, der im völligen Alleingang über sechzig Minuten Musik zusammengezimmert hat. Die Rhythmustruppe ist dabei nur in programmierter Ausprägung vertreten, und wie allseits bekannt, sind Baß und Schlagzeug als Komparsen aus der Steckdose nicht jedermanns Geschmack. In der Balance zwischen synthetischem Gedudel und virtuoser Sinfonik zieht sich das römische Ein-Mann-Projekt dafür recht beachtlich aus der Affäre. Es reiht sich damit keineswegs in die langen Liste der grandiosen Tastenlangweiler ein, wobei die Länge mancher Komposition sicherlich hätte komprimiert werden können, und man, abgesehen vom ersten Lied  "Scenes from elsewhere", in keinem der folgenden Songs eine prägnante Eigenständigkeit und Originalität vorfinden kann. Vieles klingt doch zu ähnlich und austauschbar. Hat man aber mit dem elektrischen Bassisten und Schlagzeuger keine Probleme, so gibt es manch virtuoses Solo zu hören, ganz in der ausgewogenen Tradition des melodischen, bombastischen Progressive Rocks der frühen 80er. Nicht zu viel Breaks, aber auch nicht zu wenig Eingängigkeit. Signore Sardella tendiert in seiner Spieltechnik Richtung Tony Banks, beim schon erwähnten "Scenes from elsewhere" klingt es stellenweise auch nach einer drumcomputergeschwängerten Version von  IQ. Ob rechtliche Schritte gegen den Klau von Magnums "Chase the dragon"  Cover eingeleitet werden, ist aufgrund der italienischen Rechtsauslegung nicht bekannt. Dafür ist für alle Fetischisten der schwarzen und weißen Tasten ein recht brauchbares Album vorgelegt geworden.

Kristian Selm